Infrastruktur

Große Fortschritte spürbar und elf weitere Machbarkeitsstudien beschlossen

Reaktivierung bedeutet, ein leistungsfähiges und attraktives Verkehrsmittel für den öffentlichen Nahverkehr auf der Schiene hinzuzugewinnen. Einer der Eckpfeiler der Verkehrswende sind Reaktivierungen von Schienenstrecken für den Personennahverkehr, um Orte wieder an die Schiene anzubinden.

Ein Personenzugbetrieb auf einer Strecke ist immer auch ein entscheidender Standortfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt und Region. Reaktivierungen können einen wesentlichen Beitrag zu einer umweltgerechten Mobilität leisten – und damit auch zu mehr Nachhaltigkeit, Klimaschutz und der Verkehrswende. Mit Reaktivierungen soll der SPNV für die Bevölkerung attraktiver werden und überzeugende Standortvorteile bieten. Orte profitieren, da deutlich mehr potenzielle Fahrgäste erreicht werden können. Daher hat sich die NWL-Verbandsversammlung für Reaktivierungsvorhaben stark gemacht und dieses Jahr elf Machbarkeitsstudien beschlossen.

Es gilt, näher zu untersuchen, ob es nach der Einstellung des Personenverkehrs auf elf Strecken eine reale Chance gibt, wieder moderne Personenzüge verkehren zu lassen. Die Gutachten sollen zeigen, ob die Strecken ein positives Kosten-Nutzen-Ergebnis und damit das Potential für eine Reaktivierung haben. Auch wenn die Corona-Pandemie bei einigen Verfahren eine große Herausforderung darstellt, hat es bei den beiden Reaktivierungsprojekten Münster – Sendenhorst und Harsewinkel – Gütersloh – Verl, die sich bereits in der Umsetzung befinden, spürbare Fortschritte gegeben.

Die Strecke Münster – Sendenhorst befindet sich seit Sommer 2020 im Planfeststellungsverfahren. Die Offenlegung der Unterlagen ist erfolgt. Bis Anfang Oktober konnten sich Bürger und Öffentlichkeit beteiligen und mögliche Einwendungen einreichen. Diese werden nun ausgewertet. Alle Informationen zum Projekt werden aktuell auf www.mobiles-muenster-sendenhorst.de präsentiert.

Auch bei der Reaktivierung der Strecke Harsewinkel – Gütersloh – Verl (www.mobil-in-hgv.de) gibt es Fortschritte. Nachdem die im Frühjahr begonnene vorgezogene Bürgerbeteiligung coronabedingt für dieses Jahr gestoppt werden musste, sind die Abstimmungen mit den Städten und Kommunen bezüglich einzelner Mikrostandorte der Haltepunkte vorgenommen worden. Parallel werden Planungen zur Verknüpfung der Infrastruktur von DB und TWE am Gütersloher Hauptbahnhof überarbeitet und vertraglich fixiert. Zunächst musste das von der DB Anfang des Jahres zusätzlich beschlossene Projekt zur lang ersehnten Anbindung der Güterzugstrecke an zusätzliche Personenzugbahnsteige (Teil vom Landesprojekt „Robustes Netz“) mit den Anforderungen der Reaktivierung im Detail abgestimmt werden.

Bei der Röhrtalbahn (Reaktivierung Neheim – Sundern) zeigt das Ergebnis der Machbarkeitsstudie volkswirtschaftlich positive Varianten. Daher wurde nun mit den erforderlichen Detailplanungen (Leistungsphasen 1+2) begonnen, auf deren Grundlagen die Standardisierte Bewertung folgen wird.

Die Detailplanungen zur Tecklenburger Nordbahn (Osnabrück – Lotte – Westerkappeln – Recke) sind schon in Leistungsphase 4. Die Standardisierte Bewertung wird aktuell erstellt.

Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Anbindung von Bocholt und Borken über Coesfeld nach Münster liegen seit Anfang des Jahres vor. Da auf dieser Strecke jedoch weitestgehend keine Schienen mehr liegen, wird ein Wiederaufbau der Strecke als Neubau angesehen. Dabei sind rechtlich in der Regel keine Bahnübergänge mehr zulässig, sondern nur wesentlich teurere Unter- oder Überführungen. Dadurch ist eine Reaktivierung im Nutzen-Kosten-Verhältnis volkswirtschaftlich derzeit nicht positiv zu bewerten. In Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium wird daher noch geprüft, ob es Kreuzungen gibt, an denen Ausnahmeregelungen für die Wiedereinrichtung von Bahnübergängen gelten können. Hierdurch könnte sich das wirtschaftliche Ergebnis doch noch verbessern.

Reaktivierungen auf einen Blick