Personal

Verkehrsministerium unterstützt und fördert „Fokus Bahn“

„Fokus Bahn“ heißt das Programm, mit dem das Land Nordrhein-Westfalen, die Aufgabenträger Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), Nahverkehr Rheinland (NVR) und Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) sowie die Eisenbahnverkehrsunternehmen die Situation im Schienenpersonennahverkehr verbessern wollen.

Dabei steht der Personalmangel im Vordergrund. Bei einer Veranstaltung der Bahnunternehmen in Nordrhein-Westfalen, der „Jobparade“ in Düsseldorf, erläuterten Branchenvertreter die Hintergründe, Inhalte und Ziele des neuen Programms. Zum Auftakt unterzeichneten die Bahnunternehmen ein Abkommen über die Erstattung von Ausbildungskosten bei Unternehmenswechseln.

Für die dreijährige Berufsausbildung der Lokführer (Eisenbahner im Betriebsdienst) oder auch für eine neun- bis zwölfmonatige Umschulung, die Quereinsteiger qualifiziert, trägt das jeweilige Eisenbahnunternehmen die Kosten. Um zu verhindern, dass Unternehmen aus Angst vor Abwerbeversuchen der Mitbewerber weniger Personal ausbilden, unterzeichneten die Geschäftsführer der Bahnunternehmen in Nordrhein-Westfalen eine Selbstverpflichtung zur Erstattung von Ausbildungskosten untereinander. „Dies funktioniert in etwa so wie die Ausbildungsvergütung von Profifußballclubs an die ausbildenden Amateurvereine“, erklärt der Programmleiter und Geschftsführer des NWL, Joachim Künzel. Mit ihren Unterschriften unter den Vertrag über die Ausbildungskostenerstattung bekräftigten die Bahnunternehmen ihr gemeinsames Engagement zur Fachkräfteausbildung und setzten ein starkes Zeichen für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Bei der Ansprache neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen arbeiten die Bahnunternehmen in Nordrhein-Westfalen – Abellio Rail NRW, DB Regio NRW, KEOLIS Deutschland (eurobahn), National Express, NordWestBahn, Regiobahn, Rurtalbahn, VIAS Rail und WestfalenBahn – eng zusammen und haben unter anderem mit der „Jobparade“ eine gemeinsame Arbeitgeber-Kampagne ins Leben gerufen. Denn der Fachkräftemangel trifft nicht nur einzelne Unternehmen, sondern das gesamte System Bahn. Die Personalgewinnung darf deshalb kein Einzelkampf sein. Hier ist Zusammenarbeit gefordert. Viele interessierte Fachkräfte und potenzielle Lokführer sind mit Blick auf die Digitalisierung und Entwicklungen wie dem autonomen Fahren verunsichert, ob der Beruf langfristig eine Perspektive hat. Die Technik ist aber noch lange nicht so weit, dass sie den Menschen ersetzen kann. Wer heute als Lokführer anfängt, kann sein gesamtes Berufsleben in der Bahnbranche in Nordrhein-Westfalen verbringen, wenn er will. Diese Tätigkeiten sind zudem krisenfest. Menschen müssen mobil sein, gerade im Alltag. Der SPNV ist nicht konjunkturabhängig. Personalmangel betrifft alle Bahnunternehmen in NRW und bundesweit. Alle Bahnunternehmen in Nordrhein-Westfalen suchen zurzeit händeringend Personal, insbesondere Lokführer, Zugbegleiter oder Kundenbetreuer. Ein Grund dafür ist der demografische Wandel. Das Durchschnittsalter der Lokführer liegt bei über 50 Jahren. Allein durch den Ausstieg der rentennahen Jahrgänge werden mittelfristig hunderte neuer Mitarbeiter gebraucht. Den Personalmangel spüren inzwischen auch die Fahrgäste: Landesweit müssen immer häufiger ganze Zugverbindungen ausfallen, weil Lokführer oder Zugbegleiter erkrankt sind. Wie die Vertreter der Aufgabenträger für den SPNV übereinstimmend betonten, werden die „eigenverschuldeten Zugausfälle“ nicht vergütet. Für die Unternehmen ist es also weder zielführend noch wirtschaftlich, Personalressourcen bewusst knapp zu kalkulieren und Zugausfälle in Kauf zu nehmen.