Ausblick

Ein Interview mit Joachim Künzel, Geschäftsführer Nahverkehr Westfalen-Lippe

Wo sehen Sie aktuell die Chancen für die Entwicklung
 der Mobilität im ländlichen Raum?


Künzel: Der Verkehrsraum Westfalen-Lippe weist mit Münster, Bielefeld, Paderborn, Hamm und Siegen fünf Oberzentren auf, außerdem gehört der Übergang zum Ruhrgebiet dazu. Aber der mit Abstand größte Bereich zählt zum sog. „ländlichen Raum“, wie z.B. das Sauerland, große Teile Ostwestfalens und des Münsterlandes sowie Südwestfalen. Daher hat die Entwicklung der Mobilität in diesen Räumen für den NWL eine große Bedeutung. Chancen ergeben sich durch die aktuellen Diskussionen rund um emissionsfreie Antriebe bzw. Elektromobilität, denn auch die Politik erkennt momentan die große Bedeutung einer Weiterentwicklung des Nahverkehrs.

Wie könnte eine Entwicklung der Mobilität im
ländlichen Raum denn konkret aussehen?

Künzel: Grundsätzlich ist dabei von integrierten Ansätzen auszugehen. Wir dürfen die Bereiche SPNV und ÖPNV nicht isoliert betrachten, sondern gemeinsam mit weiteren Mobilitätsangeboten, wie z. B. Carsharing, Bürgerbusse, Fahrrad etc., in einem gesamthaften Konzept. Dann spielen natürlich die jeweiligen Rahmenbedingungen wie Nachfragestruktur, Demografie, Geografie usw. eine wichtige Rolle. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren wollen wir mit den Partnern in den Regionen passende Verkehrskonzepte entwickeln. Der NWL kann dabei aufgrund seiner raumübergreifenden Zuständigkeit eine koordinierende Funktion ausfüllen, um z.B. günstige und bedarfsgerechte Bedienformen durch Förderung der Digitalisierung zu erreichen.

Der NWL ist in erster Linie Besteller von SPNV-Leistungen – welche Rolle spielt dies bei der Mobilitätsentwicklung?


Künzel: Der SPNV ist in der Regel das „Rückgrat“ des Nahverkehrs, das gilt auch in der Fläche, soweit diese vom Schienen- netz erreicht wird. Im ländliche Raum gilt es, einerseits den Weg von und zu den Haltepunkten/Bahnhöfen auch aus weiter entfernten Ausgangspunkten zu organisieren und andererseits auch die Bereiche verkehrlich zu erschließen, die nicht durch den SPNV erreicht werden. Der NWL kann diese Aufgabenstellung mit verschiedenen Instrumenten angehen: die Angebotsplanung des SPNV als Fördergeber und den Einfluss auf die Entwicklung von passenden Angeboten im Tarif.

Sie sprechen von Partnern in den Regionen, mit denen Sie
 die Mobilität in ländlichen Räumen entwickeln möchten – 
wer ist gemeint?

Künzel: Im westfälischen Raum laufen derzeit die Regionale Südwestfalen, die Regionale Westliches Münsterland sowie die Regionale Ostwestfalen – alle drei Initiativen haben das Thema Mobilität auf der Agenda und sind daher ausgezeichnete Partner bei der Entwicklung regionaler Verkehrskonzepte. Auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe ist interessiert an diesem Thema. Und dann sind da natürlich die Mitgliedsverbände des NWL, die Kommunen, Kreise und Verkehrsunternehmen, die bei derartigen Prozessen unbedingt mit ins Boot gehören.

NWL-Geschäftsführer Joachim Künzel